Warum der Messestand auf der Berufsmesse oft scheitert, bevor das erste Gespräch beginnt.

Marco Grotemeyer
Gründer von Beyond925
29.04.2026

73.000 freie Stellen. 63.000 suchende Bewerber. Warum finden sie sich trotzdem nicht?
Im Ausbildungsjahr 2023/24 blieben über 73.000 gemeldete Ausbildungsplätze unbesetzt, während gleichzeitig mehr als 63.000 junge Menschen keinen passenden Platz fanden. (Bertelsmann Stiftung)
Aber was hat das mit der Berufsmesse zu tun? Heute geht es um das Thema: Kommunikation.
Rund 44 Prozent der Unternehmen konnten ihre Ausbildungsplätze zuletzt nur teilweise oder gar nicht besetzen. Gleichzeitig glaubt jede:r vierte Jugendliche in Deutschland, es gebe zu wenig Ausbildungsplätze. (Bertelsmann Stiftung)
Zwei Seiten, die beide suchen und sich oft dennoch verpassen.
Eine gemeinsame Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft (2024) zeigt:
Ein zentraler Grund liegt in der Kommunikation. Unternehmen und junge Menschen nutzen unterschiedliche Kanäle und unterschätzen jeweils, wo die andere Seite wirklich zu finden ist.
Ein Beispiel: 71 Prozent der Unternehmen informieren über Facebook über ihre Ausbildungsplätze, aber nur 25 Prozent der Jugendlichen suchen dort. YouTube hingegen wird von fast der Hälfte der Jugendlichen zur Ausbildungssuche genutzt, aber nur von 18 Prozent der Unternehmen bespielt das aktiv.
Berufsmessen sind das traditionellste Instrument der Ausbildungsrecruiting-Welt. Und gleichzeitig das am meisten missverstandene. Denn hier kommt zusammen, was strukturell nicht zusammengehört: Unternehmen, die verkaufen wollen. Und junge Menschen, die, in einer Phase, in der sie sich bewusst von der Erwachsenenwelt abgrenzen, oft nicht aus eigenem Antrieb dort stehen.
Und oft traut sich das Niemand zu adressieren. Wer das ignoriert und direkt in die Präsentation geht, verliert. Worum geht es aber bei einer Ausbildungsmesse? Ja Sichtbarkeit ist wichtig, aber: Es geht darum Talente für die Zukunft zu finden. Und das entsteht durch Vertrauen und Relevanz.
Der erste Schritt ist kein Präsentation Er ist eine offene Haltung: "Du musst hier nichts entscheiden. Schau einfach, ob irgendetwas für dich dabei ist." Steht aktiv bereit (nicht hinter dem Tresen) und geht auf junge Erwachsene zu, denn die sind deutlich verunsicherter als ihr denkt.
Ausbildungsrecruiting auf Messen funktioniert nach denselben Prinzipien wie guter Verkauf: Jugendliche treffen ihre Berufswahl entlang des Bedürfnisses nach Wertschätzung und sozialer Anerkennung, nicht entlang von Flyern und Rollenbildern. (BIBB)
Wer das versteht schafft einen Raum, in dem junge Menschen sich selbst entdecken dürfen. Überprüft einen einzigen Satz: Was sagen die Akteuere vor Ort in den ersten 10 Sekunden am Messestand? Wenn die Antwort eine Präsentation ist, ist es der falsche Satz.
Quellen: Bertelsmann Stiftung / IW Köln (2024): „Vom Mismatch zum Match"; BIBB Forschungsprojekt Bildungsorientierungen; Bundesagentur für Arbeit, Ausbildungsmarktstatistik 2023.